Print-on-Demand (dt. Druck auf Abruf oder Druck auf Nachfrage) bezeichnet die Bedruckung eines Produkts, die erst auf Bestellung erfolgt. Grundlage für dieses Fertigungsverfahren bildet der Digitaldruck. Während klassische Druckverfahren an hohen Stückzahlen gebunden sind, ermöglicht das Print-on-Demand-Verfahren (POD) den Druck von Kleinauflagen und Einzelexemplaren. In der Regel bieten POD-Dienstleister nicht nur die Bedruckung, sondern auch die logistische Abwicklung einschließlich Produktlagerung, -verpackung und -versand an.

Textildruck-Kontext:

Während die Ursprünge des POD in der Buchdruck-Branche liegen, findet das Verfahren im Textildruck-Bereich häufig Anwendung in Kombination mit den Geschäftsmodellen Dropshipping und Print-Fulfillment.

Der Vorläufer: Book-on-Demand (BoD)

Entstehungsgeschichte

Die Initialzündung des Print-on-Demand-Verfahrens stellt der Digitaldruck dar, der Mitte der 90er Jahre das Publikationsverfahren im Buchdruck erweiterte. In diesem Zusammenhang wird das Verfahren auch als Book-on-Demand (BoD), Book-in-Time oder Publishing-on-Demand bezeichnet. Dabei wird die Druckvorlage als digitaler Datensatz erstellt und an den Rechner des Drucksystems übertragen. Die elektronische Speicherung ermöglicht eine einfache und preiswerte Aktualisierung von Dokumenten und damit die Herstellung von Klein- und Einzelauflagen.

Für vorherige Druckverfahren wie den Offsetdruck war die Produktion von Kleinmengen zu kostenintensiv, sodass überwiegend hohe Auflagen realisiert wurden.

Book-on-Demand-Druckmaschine

Book-on-Demand-Druckmaschine: Dvortygirl, On demand book printer 7, CC BY-SA 4.0

Einsatzbereiche

Mit dem BoD-Verfahren sind Buchautoren nicht mehr abhängig von Verlagen und können ihre Werke nun kostengünstig selbst publizieren. Mittlerweile gibt es vielseitige digitale BoD-Dienstleister, wie zum Beispiel Selbstkostenverlage oder Self-Publishing-Plattformen, die Komplettpakete von der Produktion und dem Lektorat über den Vertrieb bis hin zur Verpackung und zum Versand anbieten. Während die Stückkosten im Vergleich zum klassischen Auflagendruck höher ausfallen, kommt es zur Einsparung von unter anderem Lager- und Finanzierungskosten.1

Daneben warten viele große Verlage mit BoD-Services auf und allen voran akademische Verlage und Bibliotheken nutzen das Verfahren, um zahlreiche Publikationen ohne hohe Vorfinanzierungskosten zum Verkauf anbieten zu können. Darüber hinaus ist es dank BoD auch möglich, Kleinauflagen oder Einzelexemplare für den persönlichen Bedarf drucken zu lassen.

Print-on-Demand im Textildruck

Entwicklung im Textildruck

Parallel zum Entwicklungsverlauf des BoD-Verfahrens entstand in der Textildruckbranche der digitale Textildirektdruck (DTG), dessen Druckqualität allerdings in der Anfangszeit noch von eher mäßigen Ergebnissen geprägt war. Mit der technischen Weiterentwicklung der Digitaldruckmaschinen stieg auch kontinuierlich die Qualität der Druckergebnisse, sodass sie im Laufe der Zeit kaum mehr noch von etablierten Siebdruckerzeugnissen zu unterscheiden waren.2 Aus diesem Grund lag es nahe, das DTG-Verfahren im Print-on-Demand-Bereich einzusetzen.

T-Shirt-Druck an DTG-Druckmaschine

Grundlage für Print-on-Demand: DTG-Druckmaschine

Anwendungsgebiete

In Analogie zum Buchdruck traten im Textildruckbereich gleichermaßen Print-on-Demand-Services hervor, die sowohl die Bedruckung von Textilien als auch deren logistische Abwicklung übernahmen. Heutzutage bieten POD-Dienstleister das gesamte Fulfillment der Waren an, von der Abwicklung der Produktion über die Verpackung bis hin zum Versand der Produkte. Online-Händler haben hierdurch die Möglichkeit, ihre Printprodukte in kleinen Stückzahlen und als Einzelprodukte bereitzustellen, die erst nach Bestellung hergestellt und geliefert werden. Das Verfahren, lediglich bestellte Ware zu liefern, wird auch als Dropshipping bezeichnet.

Industrie 4.0: Anbindung an Shopsysteme

Mit Einzug der vierten industriellen Revolution (Industrie 4.0) haben sich einige POD-Anbieter auf die Verknüpfung mit Shopsystemen wie Shopify, WooCommerce und Shopware spezialisiert. Betreiber von Onlineshops können damit ihr Shopsystem über eine Schnittstelle an eine POD-Plattform anbinden. Geht beispielsweise eine Bestellung über die Plattform ein, wird sie automatisch oder manuell an den Dienstleister übertragen, der wiederum das Produkt im nächsten Schritt herstellt und an den Endkunden verschickt.3

Illustration des Dropshipping-Prinzips

Kunde bestellt im verknüpften Shop > Bestellung wird vom POD-Anbieter übermittelt und produziert > Produkt wird direkt an den Kunden versendet

Überdies existieren auch universale Rest-API-Lösungen, die fortgeschrittene Anwender in selbst entwickelte Shopsysteme und andere Eigenentwicklungen integrieren können.

Unterschiede zum Dropshipping und Print-Fulfillment

Oftmals wird Print-on-Demand im Textildruckbereich mit den Geschäftsmodellen Dropshipping und Print-Fulfillment gleichgesetzt. Zwar kommt es größtenteils zu Überschneidungen, dennoch weisen alle drei Verfahren Unterschiede auf, die der jeweiligen Definition und der Betrachtungsweise obliegen.

Dropshipping

Beim Dropshipping, auch Streckengeschäft oder Direkthandel genannt, lagert ein Händler oder Shopbetreiber die Ware von einem Hersteller oder Großhändler, der sie verpackt und im Namen des Händlers direkt an den Endkunden versendet. Der Händler selbst hat dabei keinen physischen Kontakt zur Ware. Vergleichbar mit dem On-Demand-Verfahren wird lediglich Ware auf Bestellung bezahlt. Hierdurch entsteht für den Händler kein finanzielles Risiko, das andernfalls durch die Anschaffung großer Lagerbestände entstehen würde.4

Im Zusammenhang mit dem Textildruck ist Dropshipping an der Herstellung bzw. Textilveredlung gekoppelt und kommt somit dem Print-on-Demand-Prinzip nahezu gleich, da ausschließlich bestellte Ware bezahlt und in diesem Fall produziert wird. Die Verpackung und der Versand bilden als Leistung eine Schnittmenge zum Fulfillment, das zusätzlich zahlreiche anderweitige Aufgaben umfasst. Beispielsweise bieten einige Dienstleister White-Label-Verpackungen an, sodass beim Endkunden der Eindruck entsteht, dass die Ware direkt vom Händler stammt. Darüber hinaus sind Zusatzleistungen wie Branding-Optionen oder Crossselling mittels eines weiteren Produktsortiments möglich.5

Print-Fulfillment

Grundsätzlich handelt es sich beim Fulfillment (dt. Erfüllung) ebenfalls um eine logistische Dienstleistung, die auf die gesamte Abwicklung nach der Bestellung abzielt – von der Lagerhaltung bis hin zur Rechnungsstellung. Im Unterschied zum Dropshipping und On-Demand-Verfahren wird die Ware beim allgemeinen Fulfillment in der Regel nicht erst nach Bestelleingang produziert, sondern vorweg in einem Fulfillment-Center gelagert. In diesem Fall kauft der Händler im Vorfeld eine große Stückzahl eines Produkts ein, die im Center angeliefert und deponiert wird, und leistet damit eine Vorab-Investition. Geht beim externen Fulfillment-Dienstleister eine Bestellung ein, kümmert sich dieser um die restliche Abwicklung. Einer der bekanntesten Fulfillment-Services ist Fulfillment by Amazon (FBA).67

Die moderne Wortzusammensetzung Print-Fulfillment bezeichnet selbsterklärend das Fulfillment im Druckbereich, vordergründig im Textildruck. Üblicherweise umfasst das Angebot von Print-Fulfillment-Dienstleistern ebenfalls POD- bzw. Dropshipping-Leistungen, wie zum Beispiel die Fertigung auf Bestellung. Mit dem Begriff Fulfillment wird das Hauptaugenmerk auf die gesamte logistische Abwicklung einschließlich Zusatzleistungen gelegt. Aus dem Verfahren ergeben sich diverse Vor- und Nachteile.

POD in anderen Bereichen

Neben Büchern und Textilien ermöglicht Print-on-Demand die individuelle Veredlung vieler weiterer Druckträger. Hierzu zählen:

  • Accessoires (Taschen, Tassen, Handyhüllen, Mousepads etc.)
  • Dekoration (Poster, Leinwände etc.)
  • Wohntextilien (Bettwäsche, Handtücher etc.)
  • Kalender, Fotobücher und -alben
  • Broschüren
  • Karten und Einladungen
  • U. v. m.
Emaille-Tasse mit Shirtigo-Cockpit-Logo

Beispiel: Emaille-Tasse

 

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Print-on-Demand (POD)
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Print-on-Demand (POD)
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Print-on-Demand (POD) bezeichnet die Bedruckung eines Produkts, die erst auf Bestellung erfolgt. Grundlage für dieses Fertigungsverfahren bildet der Digitaldruck. Während klassische Druckverfahren an hohen Stückzahlen gebunden sind, ermöglicht das POD-Verfahren den Druck von Kleinauflagen und Einzelexemplaren.
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